Presse zum Thema Schanzenpark

gordon blö 27.07.2004 18:07
Szene Hamburg kritisiert in der August Ausgabe
Mövenpick-Werbeseite in der Juli Ausgabe
AUGUST 2004 - SZENE-HAMBURG / S. 18

EISZEIT IM WASSERTURM

Wenn nicht noch rechtzeitig ein Tornado über dem Schanzenpark niedergeht, wird Mövenpick aus dem alten Wasserturm ein Viersternehotel machen. Baubeginn ist Oktober – wahrscheinlich
TEXT UND Foto: Andrea Fonk

Aus lauter Wut „Creme Ricotta Pfirsich“ im Kühlregal zu boykottieren, ist keine Lösung, denn Mövenpick hat seine Eiscreme-Sparte im vergangenen Jahr an Nestlé verkauft. Eine „Devestition“, die Mövenpick in der Bilanz endlich wieder mal schwarze Zahlen bescherte. Auch das Verbrennen einer roten Fahne mit weißem Kreuz wäre verfehlt. Der Konzern gehört nämlich seit 1998 zu 70 Prozent der deutschen Unternehmerfamilie von Finck. Der Versuch des Firmenchefs August von Finck, Mövenpick zu einem Global Player aufzuplustern, scheiterte allerdings. Investiert wird nun vor allem in die so genannte „Verkehrsgastronomie“ – deshalb können ab Anfang 2006 mit dem Flugzeug anreisende Messebesucher bereits am Hamburger Flughafen ein erstes Mövenpick-Mahl
einnehmen und sich so schon mal auf ihr Hotel einstimmen.

Etwas „gastronomische Erlebniswelt“ im Magen hilft ihnen dann vielleicht auch darüber hinweg, dass im Schanzenviertel niemand auf sie gewartet hat. Im Gegenteil. Die Anwohner werden von Schreckensvisionen heimgesucht, in denen Heerscharen von „Internorga“- oder „Hansepferd“-Besuchern durch den neuen Tunnel direkt vom Messegelände auf den Park stürmen. Und während die Polizei ausschwärmt, um die letzten Peace-Zeichen-Bekenner, Army-Hosen-Träger und Wuschelfrisuren aus den Büschen zu ziehen, schiebt „Du und deine Welt“ sich geschnetzeltes Kalbfleich Züricher Art mit Champignon-Rahmsauce und goldgelben Rösti in den Rachen.

Alles falsch, behauptete die Mövenpickgruppe und ihr Partner, die Patrizia Immobilien AG, in großformatigen Anzeigen – auch in dieser Zeitschrift. „Ist das Baudenkmal in Gefahr?“, fragen sie da rhetorisch und antworten nein mit einem dicken Ausrufezeichen. Peter Hass vom Schanzenbuchladen und Mitglied des „Bündnis gegen ein Hotel im Wasserturm“ macht so etwas wütend: „Das Baudenkmal ist nicht in Gefahr, weil es gar kein Baudenkmal mehr geben wird. Das Dach wird durch eine Glaskuppel ersetzt, die Fenster vergrößert und ein Restaurant um das Gebäude herumgebaut.“ Auch Jens Meyer, Geschäftsführer des 3001 Kinos, das im Schanzenpark jedes Jahr ein Open-Air-Kino veranstaltet, kann über Äußerungen wie „ Wird das Hotel das Leben
im Park verändern? – Nein ! “ nur bitter lachen. Statt einen Monat lang darf er in Zukunft nur noch an drei Wochenenden im Jahr Filme zeigen. „Das ist so gut wie eine Absage. Für sechs Tage im Jahr lohnt sich das nicht. Allein das Leinwandgestell auf- und abzubauen, kostet 3000 Euro.“ Das Bündnis beobachtet seit einiger
Zeit, wie Polizeikontrollen, Personalienfeststellung und Platzverweise gegenüber Vier-Sterne-Hotel-inkompatiblen Besuchern zunehmen. Die Bild-Zeitung sieht das anders: „ Die Beamten sind seit Jahren im Schanzenpark unterwegs und gehen gegen Dealer und Drogenabhängige vor – nicht gegen Familien mit spielenden Kindern. “

Aber mehr als um ein Hotel oder ein Baudenkmal geht es beim Kampf um den Wasserturm um den Erhalt eines
weithin sichtbaren Symbols für das, was vom Schanzenviertel jenseits von Piazza, Galao und Hamburg-Trainingsjacken noch übrig geblieben ist. Ein Symbol für einen Ort, an dem Randgruppen nicht am Rand stehen und in dem alles toleriert wird – außer Konformismus. Oder, wie es ein Autor auf dem Forum www.nadir.org ausdrückte: „Wir wollen Räume in der Stadt offen halten für selbst bestimmte Projekte, temporäre Inzenierungen
unserer Unzufriedenheit“.

Hoffentlich kennt von Finck die eigene Firmenphilosophie, die auf der Mövenpick-Website unter dem Stichwort
„Mission“ nachzulesen ist: „ Wir pflegen die Kultur einer ehrlichen und authentischen Gastfreundschaft. Dabei paaren wir Schweizer Qualität und Beständigkeit mit einem internationalen, weltoffenen Flair, pflegen Bekanntes und lassen Unbekanntes entdecken. Unser Ziel ist (...) die täglich gelebte Rolle des glaubwürdigen Gastgebers. “
August von Finck würde sich dieser Meinung sicherlich nicht anschließen. Er steht eher Manfred Brunner und seinem rechtskonservativen Bund Freier Bürger nah, den er, laut Süddeutscher Zeitung, mit etwa 4,3 Millionen Euro unterstützt haben soll – die Brunner dann allerdings nicht als Spende auswies. Der nach Arizona ausgewanderte Ex-Bankier Ferdinand Graf von Galen soll Fincks politische Einstellung einmal mit „ Rechts vom Gustel steht bloß noch der Dschingis-Kahn “ zusammengefasst haben.

www.schanzenturm.de – dort auch weitere Links
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Ergänzungen

wettervorhersage für september 2004

kachelmann 11.08.2004 - 02:31
gespannt warten 20.000 leser auf die september ausgabe von szene-hh.
sie soll ja nu im eigenen regiment geführt werden...