Bilder sorgen für Aufmerksamkeit

Bühne III, Aktionsgruppe Leipzig 17.06.2004 16:05 Themen: Indymedia Medien
Indymedia ist eine radikale Öffentlichkeit, aber ist diese besser oder wirklich anders? Eine herbe Kritik.
Warum Indymedia wie die BILD-Zeitung ist.
Auch ich war anfangs begeistert: Don´t hate the Media, become the media. Aber was heißt das eigentlich? Die Medien sind eine Herrschaftsinstanz die wir nicht mehr hassen sollen, sondern übernehmen? Hier wird die Sache problematisch. Ist das nicht das, was die Grünen gemacht haben? Sie haben das Parlament gehasst, nun sind sie Teil des Parlamentes und bewahrten es jedenfalls vorübergehend vor seiner Abschaffung bzw. einer APO. Ok, für ein Posting auf indymedia (IM) muss mensch nicht Arschkriechen und gewählt werden. Dennoch gibt es eine Moderation und die Diskriminiert. Open Posting oder Newswire, inhaltliche Ergänzung oder ?leider keine inhaltliche Ergänzung?. Manche Postings oder Kommentare werden auch ganz unterschlagen oder gelöscht. Sicher, manche Sachen haben auf IM nichts verloren, aber wer entscheidet das. Ist es nicht eine fatale Feststellung, ein grandioses Scheitern wenn innerhalb einer ?radikalen Öffentlichkeit?, wo alles ganz anders laufen soll, doch wieder zensiert wird.

Nicht nur die Moderatoren zensieren, und das ist noch trauriger, die Öffentlichkeit zensiert sich auch selbst. So gibt es Dinge, die auch auf Indymedia nicht gesagt werden können, z.B. dass Steine werfen oder Militanz bescheuert und reaktionär ist. Eine solche Position kann sich durchaus aus vernünftigen linksradikalen Überlegungen ergeben, aber ihr könnt euch sicher sein, dass Euch nach so einem Satz jeder entweder als linker Spießer, Bullenspitzel, Nazi oder sonst was entlarven will. Oder noch trauriger: Die Chance, auf indymedia vernünftig über Antisemitismus zu diskutieren ist für Jahre verwirkt, da diese Diskussion mittlerweile auf das tiefste Niveau plumper Anschuldigungen und Zuordnungen gesunken ist.

?Dein Computer ist ein Produktionsmittel? Ja, genau und in erster Linie kann mensch sich selbst produzieren. Wenn mensch mal wieder irgend eine direkte Aktion irgendwo in Deutschland (die Bezüge auf IM laufen nach wie vor in sehr nationalen Bahnen) gemacht hat von der gerade mal zehn Bürgers was mitgekriegt haben, hat es sich dennoch gelohnt, weil mensch das ja posten kann und dann können es tausend andere lesen und kommentieren und nachmachen. Vielleicht finden manche Aktionen auch nur deshalb statt, weil sich die Aktivisten dieser Minimalwirkung sicher sein können. Aber auch das hat seine Schattenseiten: Für die radikale IM-Öffentlichkeit hat nur noch das stattgefunden, was gepostet wurde und besondere Aufmerksamkeit ziehen die auf sich, die ne Digicam dabei hatten und noch kurz vor ihrem Transparent posen konnten. Auch die radikale Öffentlichkeit lässt sich vom Spektakel vorführen. Und wenn dann mal eine frisch gegründete Jugendantifa davon berichtet, dass sie einen Nachmittag damit verbracht hat, einen CDU-Stand zu blockieren dann kommentieren das irgendwelche Checker so: ?geht doch lieber wieder in den Kindergarten, weil richtige Autonome hätten gleich den ganzen Stadtrat verprügelt und den Infostand in seine Einzelteile zerlegt? Und: ?Was seid denn ihr für welche? Wenn, dann müsst ihr auch Aktionen gegen SPD, Grüne und PDS machen?. Klar, wollten sie vielleicht auch machen, sind aber jetzt erstmal einen Tag damit beschäftigt sich auf IM gegen Angriffe zu verteidigen und haben vielleicht auch keinen Bock mehr drauf, nur um sich nachher als Kleinkinder beschimpfen zu lassen.

IM vermittelt eineR Linken das Gefühl, wir wären mehr als wir sind und dann kann mensch sich auch in aller Ruhe Spalten und Anpissen. Dennoch tut dieses Gefühl gut und es ist der Grund dafür, dass sich dort so viele rumtreiben.
Überhaupt ist es beeindruckend, wie viel Zeit sich in IM materialisiert oder besser: Wieviel immaterielle Arbeit dort geleistet wird. Vor allem scheinen die Mega-Militant-Autonomen unzählbare Stunden im Netz zu verbringen. Vielleicht ist hier der Grund zu suchen, warum es so wenig militante Aktionen gibt. Die haben vor lauter IM keine Zeit mehr dazu. Seltsam auf der anderen Seite, dass inhaltliche Artikel, die mehr als drei Computerseiten lang sind, zwar gutwillig in den Newswire gestellt aber kaum gelesen, jedenfalls nicht kommentiert werden.

Die radikale IM-Öffentlichkeit zelebriert ihr eigenes Scheitern, denn sie reproduziert die BILD-Zeitung mit ihren eigenen Dogmen für eine Teilöffentlichkeit.

Das merke ich nämlich auch an meinem Konsumverhalten. Indymedia klick ich quasi zur Unterhaltung, wenn ich noch Zeit im Internet habe und alles wichtige schon erledigt ist. Oder wenn ich auf ner Demo nicht war und gucken will wer da war und wie es war. Oder ? ganz chauvenistisch-, wenn ich auf ner Demo war und es nicht in die Fernsehnachrichten gebracht habe und gucken will wer da war und wie es war. Meistens diskutieren die Leute dann über Fahnen die ICH nicht gesehen habe und haben überhaupt alles ganz anders als ich erlebt. Auch auf IM wird eine Objektivität suggeriert die es so nicht gibt und es gibt dominante Deutungsmuster. Wie in der Öffentlichkeit generell. Mit Wahrheit hat das nichts zu tun und das ist das einzige, was mich beruhigt, wenn ich mir vorstelle wie sich Verfassungsschutz und Staatsschutz durch ihr neues Gratis-Informationsportal klicken.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

sehr interessante kritik

rolf 17.06.2004 - 16:27
da sind viele punkte angesprochen, die auch meine kritik an dem sind, wie indymedia mitunter läuft - auch wenn mir auch viele positive punkte einfallen würden, die du (ihr?) jetzt nicht erwähnt hast. aber was mir aufgefallen ist: einerseits kritisierst du, das auf indymedia viel zensiert wird, andererseits kritisierst du, dass diffamierende kommentare stehen bleiben und damit aktionen schlecht geredet werden. meine frage: wie soll man denn diffamierende kommentare verhindern, wenn nicht durch zensur? wie kann man ein libertäres nachrichtenmedium konstruktiv weiterentwickeln unter bedingungen, in denen halt nicht jeder mensch mit computerzugang nur solidarisch, interessiert, konstruktiv, emanzipatorisch eingestellt ist? (nur meckern zählt nicht)

böse normen!

micha 17.06.2004 - 17:02
in dem beitrag werden trotz des seitennamens "nonorm" sehr viele normen gesetzt.
auf den einen punkt geht die vorstehende kritik schon ein: einerseits wird kritisiert, das auf im zensiert wird, andererseits wird sich beschwert, was auf indymedia alles veröffentlicht wird.
das problem wird so benannt: auf indy gäbe es keine objektivität. doch war das jemals der anspruch. indy wollte ausdrücklich die wirklichkeit anders abbilden als der mainstream. die wenigsten der leserinnen werden das kritiklos übernehmen. sondern indy wird ein teil des puzzles sein, das sich in ihren kopf als "objektivität" herausbildet. auch das gehört zur selbstbestimmung: die selbstverantwortung in der eigenen meinungsbildung. die eventuell folgende praxis wird dann schon zeigen, wie richtig die gemachten ansichten sind. die frage nach der wahrheit des denkens ist eine praktische frage.
das gilt auch für indy selbst. die seitenmacher entscheiden ja selbstbestimmt, welche beiträge sie wo aufnehmen, wenn überhaupt. inwieweit man dadurch die realität richtig wieder gibt, wird der erfolg zeigen. jedenfalls entscheidet man nicht nach profitkriterien und hoffentlich nicht nach populistischen (auch wenn der populus ein sehr eng begrenzter wäre).
der vergleich mit den grünen und dem parlament hinkt auf beiden beinen.
nicht alles, was existiert, ist deswegen schlecht, weil es existiert. woher nähme man sonst seine vision einer verbesserung? aus dem nichts?
deswegen ist ein umgang mit dem existierenden auch nicht unbedingt konservativ oder gar reaktionär. worauf es ankommt, ist die entwicklungstendenz. der palamentarismus ist am absterben und verfaulen. er hat keine fortschrittliche tendenz mehr in sich. er mag progressiv gewesen sein gegenüber königtum, adel und diktatur. aber seine uhr ist abgelaufen.
medien indessen besitzen ein ungeheures entwicklungspotenzial, gerade durch die digitalisierung greifen sie über die verwertungskriterien hinaus, werden leichter errecihbar für alle und billiger, wenn sie überhaupt noch durch geld zu steuern sind. sie enthalten eine tendenz über den kapitalismus hinaus. deswegen können sie die medienkonzerne gegen sie nicht mehr über den freien wettbewerb durchsetzen, sondern müssen die hilfe des gesetzes, des staats in anspruch nehmen. hier zeigt sich, wie der kapitalismus über sich selbst hinaustreibt und die kapitalisten diese entwicklung aufhalten wollen mit ausserökonomischer gewalt. deswegen ist es eine notwendigkeit, sich an diesem prozess zu beteiligen, besser ihn voranzutreiben. das gegenteil wäre - egal wie begründet - zumindest konservativ.

Moderationsschnickschnack

das wollte ich schon immer mal sagen 17.06.2004 - 17:05
Dieser Artikel verstößt gegen die Moderationskriterien:

 http://de.indymedia.org/static/moderation.shtml

warum ist er also auf der Startseite

loesungsansatz

max 17.06.2004 - 17:11
ein loesungsansatz waere es hier nur noch registrierten benutzerInnen schreibzugang zu gewaehren und das freie posting auf einen gesonderten bereich zu verlegen.
dann fuehlt sich niemand, der glaubt noch was wichtiges loswerden zu wollen, zensiert und der/die normale leserIn kann bereits an der unterteilung registriertes/freies posting entscheiden, welche vertrauenswuerdigkeit sie dem posting zuschreibt.
der registrierte bereich sollte nur fuer politische gruppen zugaenglich sein (und evtl. fuer einzelpersonen mit fest zugewiesener identifikation), da dadurch zum einen der verfasser der meldung dauerhaft zu seinen behauptungen stehen muss und so das niveau imo automatisch steigt.
zum anderen wuerde ein signal gegen die stagnierende organisierung (und ich meine hier autonome gruppen) innerhalb der linken gegeben und die leute motiviert sich in gruppen einzubringen.

2

egal 17.06.2004 - 17:12
Auch ich kann einige Kritik Punkte gut verstehen. Aber, dass die sich selbst defienierte Szene(n) sich teils nur um sich selber drehen hat auch noch andere Gründe(einer ist z.B. das mensch nun mal im kapitalismus aufgewachsen ist wo es in jugendkreisen typisch ist sich über oberflächen Formen und nicht über Handlungen und Inhalte zu definieren, da das Bürgertum dass Subjekt prädigt welches aber nur als subjekt/objekt existieren kann)
Ein anderes Problem ist sicher auch, dass einige Themen wie z.B. antisemtismus oder Faschismus oder Deutschlandkritik eigentlch nur in von einer kleinen Minderheit geführt wird und die Mehrheit ihr eigendes Handln nicht so abstarkt sieht, was dazu führt, das es klar ist, dass diese Minderheit sich in iheren Disskussionen um sich selbest dreht. Eine Disskussionen werden dann in Parolen oder Fahnen zusammen gefaßt, was ja nicht nur im Internet sondernt auch auf Demos oder in Städten zu rein polemischen Aussernadersetzungen führt.
Zu der Kritk der Zensur möchte ich anmerken, dass ich kein Problem in ausgrenzung habe solange dies ein linksradikalen/emanzierpaorischen Hintergrund hat. Das Problem bei indymedia sehe ich darin dass dies einige einzelne ModeratorInnen tun und dies nicht begründet wird. Genauso wenig wie die allgemeine Organsiation von indy. Ich denke deine Kritik sollte trotzdem zum Denken anregen wo sich einige Sachen im dieser art des Forums negativ auswirken.

zusatz

was ich noch vergessen hab 17.06.2004 - 17:18
und ausserdem wuerden die faschos mit ihren stoermanoevern (z.B. anheitzen der anti-imp/anti-d diskussion) nicht mehr so greifen.

es besteht handlungsbedarf!
viele leute, die sich fuer linke politik interessieren schauen durch die werbung fuer indymedia animiert hier rein und verziehen sich (im schlimmsten fall fuer immer), da sie uns fuer einen zerstrittenen, planlosen haufen spinner halten.
indymedia ist hier NICHT das spiegelbild meiner links-autonomen umgebung, da die anzahl der spinner in der linksautonomen in der realitaet bei weitem(!) nicht so hoch ist, wie ein fluechtiger blick ins indymedia-openposting den eindruck erwecken koennte.

an die MODS: egal wie ihr das problem loesen werdet, bitte loest es schnell!

Meckern zählt halt doch

is nich wichtig 17.06.2004 - 17:38
Viele gute Kritikpunkte!! Ich sehe das ähnlich. Aus dem ach so emanzipatorischen Independent Media Centre ist - war es je anders?? - die BILD für die "linke Szene" geworden.
Statt Reflektion über die eigenen Aktionen und Inhalte zu führen, werden Artikel zensiert, die dem linken Mainstream nicht entsprechen und pauschal als "antideutsch" (uiuiui gefährlich) gebrandmarkt. In den Ergänzungsspalten wird gepisst ohne Ende. Kann halt jedeR mal diffamieren, wen sie/er schon immer mal diffamieren wollte.
Trauriger Höhepunkt der letzten Wochen ist die Zensur eines Artikels über einen antisemitischen/antizionistischen Messerübergriff auf dem Karneval der Kulturen. Daraufhin sollten Teile dieser (sorry) beschissenen linken Szene sich endlich mal Gedanken machen ob sie mit den antisemitisch-faschistoiden Volkswiderständlern der RIM/RK (die derlei Übergriffe öfter mal machen) weiter zusammenarbeiten oder ihnen endlich den Boden entziehen wollen.
Auf Anfrage bei der Indy-Moderation warum denn der Artikel runtergenommen sei, kam folgendes:
"Es muss nicht sein, dass sich verfeindete Splittergruppen gegenseitig
bei Indy denunzieren. Im Artikel werden bewusst Szeneinternas und
Strukturen ausgeplaudert. Anhand der Erfahrungen mit Diskussionen dieser Art ist anzunehmen, dass in den Darstellungen beider Seiten auch viel die Unwahrheit und Propaganda gesagt/geschrieben wird. Damit wird den Ermittlungsbehörden sogar noch mehr als 'nur' reale Szenezusammenhänge vermittelt. " (mehr bei
 http://x-berg.de/comments.pl?sid=1054&op=&threshold=0&commentsort=0&mode=thread&pid=2887#2891)

Was ist denn das für eine Szene, die da die RIM schützen will, aber ständig antinationale und antideutsche denunziert?

Na egal. Grundlage emanzipatorischer Weltanschauung und Politik ist nunmal radikale Kritik. Wir müssen keine Alternativen bieten, zuerst gehören diese Verhältnisse ordentlich analysiert und kritisiert. Dann kommen die Alternativen von ganz alleine. Indem Sinne zählt meckern halt doch.

Scheißt auf euren Medienaktivismus, der ist so widerlich bürgerlich. Euer Engagement trotzdem in allen Ehren! Aber wo Kritik, Selbstkritik und Reflektion nicht gewünscht wird, wird ein Leben ohne Kapital, Staat und Nation hinkommen.

klasse klasse

P. 17.06.2004 - 17:50
"ein loesungsansatz waere es hier nur noch registrierten benutzerInnen schreibzugang zu gewaehren und das freie posting auf einen gesonderten bereich zu verlegen.
dann fuehlt sich niemand, der glaubt noch was wichtiges loswerden zu wollen, zensiert und der/die normale leserIn kann bereits an der unterteilung registriertes/freies posting entscheiden, welche vertrauenswuerdigkeit sie dem posting zuschreibt.
der registrierte bereich sollte nur fuer politische gruppen zugaenglich sein (und evtl. fuer einzelpersonen mit fest zugewiesener identifikation), da dadurch zum einen der verfasser der meldung dauerhaft zu seinen behauptungen stehen muss und so das niveau imo automatisch steigt.
zum anderen wuerde ein signal gegen die stagnierende organisierung (und ich meine hier autonome gruppen) innerhalb der linken gegeben und die leute motiviert sich in gruppen einzubringen. "

lieber max... ich hoffe, dass so eine klassengestaltung niemals durchkommt das widerspricht jeglichem indy grundsatz, wie ich doch finde.

Zensur? Einordnung!

Uninteressant 17.06.2004 - 18:29
Zensur wird meistens als politischer Kampfbegriff benutzt. Versuchen wir es mal sachte:

1. Zensur findet immer und überall statt.

Jede Zeitung wählt bestimmte Nachrichten aus. Jeder Sender wählt Themen und Autoren aus. Jeder Verlag hat eine Linie und was zu der nicht passt, wird nicht veröffentlicht. Anders kann ein denkender Mensch auch nicht handeln: Sonst wäre es irgendwann soweit, dass ein anarchistischer Verlag "Mein Kampf" herausgeben möchte, weil alles andere ja gegen das Zensur-Verbot verstieße. Zensur als solche anzugreifen, ist Blödsinn. Zensur im Einzelfall ist interessant. Und ich hoffe, dass wir über Nazi-Spam hier nicht diskutieren müssen. Alle wissen, dass Nazis hier posten, das hat keinen Neuigkeitswert und interessiert niemanden. Weg damit.

2. Politische Zensur sollte Verabredungssache sein

Schwieriger wird es beim Antisemitismus, den ich auf einer emazipatorischen Internetplattform ebenfalls zensieren würde: Hier streiten sich die Linken. Ich bin dafür, dass sich die Linke deutlich vom Antisemitismus und auch seinen Anfängen trennt. Eine Zensur bringt hier aber die Gefahr mit sich, Konfliktlinien zu verschleiern. Nur eine inhaltlich harte Diskussion könnte hier Abhilfe verschaffen. Die scheitert wohl am Ton. Am Ende einer solchen qualifizierten Diskussion könnte eine Entscheidung von IM stehen, in Zukunft auch definierten Antisemitismus zu zensieren. Wichtig wäre hier die Transparenz der Entscheidungskriterien - jede/r kann dann selbst entscheiden, ob er/sie noch was mit IM zu tun haben möchte. Und dann wird sich auch entscheiden, ob IM "das Szenemedium" bleibt oder nicht. Ich behaupte: "Die Szene" gibt es schon seit einiger Zeit nicht mehr und ich selbst habe auch kein Interesse an einer vermeintlichen Homogenität. Der teilweise Antisemitismus und DKP-Pazifismus ist mit meinem "Linkssein" nicht zu vereinbaren.

3. Zensur ist nötig

Wenn ein Medium mehr sein möchte als die Wand eines Männerklos ist Zensur auch nötig. Der Versuch, fair und sachlich zu berichten, wird von den Rumpissern und Posern, von Gerneklugs und anderen Geltungssüchtigen im Keim erstickt. Kaum jemand macht sich Mühe für eine Klowand. Weg mit allem, was offensichtliches Rumgehacke ist. Argumente: Ja. Aber keine Beschimpfungen. Allerdings scheint mir eine Diskussion über vernünftigen Ton hier fast nicht möglich. Linke sind eben nicht die besseren Menschen - sie greifen genauso wie alle anderen auch irgendwann zu Beschimpfungen und Denunziationen, wenn sie nicht mehr weiter wissen.

4. Medien sind keine Blumenwiese

Wenn Medien der Ruf folgt, Herrschaftsinstrument zu sein, hat das viel mit den herrschenden Bedingungen zu tun. Es gibt durchaus die Möglichkeit, Medien zwar professionell zu machen, sie aber nicht als Herrschaftsinstrument zu begreifen. Dazu gehören wir immer Menschen, die es anders machen als bisher. Um Missverständnissen vorzubeugen: Medien haben m.E. durchaus die Aufgabe, einzuordnen, zu kommentieren usw. Die reine Auswahl, was ins Blatt kommt, ist immer auch eine Richtungsentscheidung. Was interessiert die LeserInnen?
Aber: Es gibt sowas wie einen Journalismus, der a) redlich ist, b) sich sehr wohl auf die LeserInnen einlässt und c) im Konfliktfall falls nötig Partei ergreift, falls nötig aber auch vermittelt.
Es kann aber nicht sein, dass Medien von Linken nicht genutzt werden, nur weil ausgewählt werden muss und es auch Qualitätsstandarts für Journalismus gibt. Niemand trägt Schuhe von jemandem, der keine Schuhe machen kann. Aber man kann die Fähigkeit lernen und weitergeben. Darauf kommt es bei den Medien an.

Problem: Indymedia-Prinzip nicht verstanden

Inside 17.06.2004 - 18:30
Das Problem: Das Prinzip von Indymedia wird in Deutschland von einigen nicht wirklich verstanden.
Während die einen denken, daß die Artikel von den Mods selbst geschrieben werden (1), denken andere, Indymedia wäre ein zentrales linksradikales Board(2).

(1) Oft lese ich Kommentare wie "hey Mods, warum schreibt Ihr nicht über dieses und jenes" oder "Indymedia ist ja doof, weil meine Sichtweise in Artikeln gar nicht vorkommt". Irgendwie wird missverstanden, daß Indymedia ein partizipatives Medium ist und nur das bei Indy steht, was die Nutzer dieser Seite veröffentlichen. Dieses Prinzip ist eine praktische Umsetzung von Utopien, die sonst immer nur propagiert wird.
(2) Viele Leute, die eher aus dem linksradikalen Spektrum kommen, denken Indymedia wäre eine rein linksradikale Sache. Einige von ihnen denken ausserdem, daß Indymedia der zentrale Ort für Diskussionen und szeneinterne Politik sei (beim Kommentar von "is nich wichtig" wird das deutlich: er beschwert sich, daß Indy keinen Platz für den Krieg zwischen autoritären Sekten bieten will). Oft wundern sich auch Leute, warum sich Indymedia nicht zu irgendwelchen poltischen Debatten positionieren will - dabei kann Indy das als offenes Netzwerk gar nicht. Abgesehen von einigen Grundsätzen (die sind hier:  http://global.indymedia.org.au/front.php3?article_id=330&group=webcast)
(2a) Indymedia richtet sich ausdrücklich an Individuuen und nicht an Gruppen. Leider besteht für die meisten Linken in Deutschland der Zwang, sich einer Partei, Organisation oder was auch immer unterzuordnen. Andere gesellschaftliche Strömungen/Bewegungen sind da oft wesentlich emanzipatorischer und fortschrittlicher als die Linke.


Weitere Gedanken:

Indymedia kann nicht für Dinge funktionieren, für die Indymedia nicht ausgelegt ist: Diskussionen, Szene-Tratsch, Interna, Mobilisierungen, Politik diverser Gruppen. Wenn Indymedia dafür kritisiert wird, daß diese Dinge nicht funktionieren, meint die Kritik eigentlich was anderes: das Prinzip von Indymedia selbst wird nicht aktzeptiert.

Indymedia ist Teil einer globalen Bewegung, die die Verhältnisse nicht einfach nur kritisiert (wie es zum Beispiel deutsche Linke überweigend tun), sondern die ihre Utopien auch versucht umzusetzen (zu dieser Bewegung zählen beispielsweise auch solche Netzwerke/Bewegungen:  http://www.agp.org oder  http://de.indymedia.org/2004/06/85314.shtml)...
Indymedia ist die Umsetzung der konkreten Utopie von nichtkommerzieller, nichthierarachischer Nachrichtenprduktion und freien Zugang zu Informationen, zur weltweiten Vernetzung nach dem Grassroots-Prinzip. Alle sollen schreiben und veröffentlichen können, wenn sie dan Ansatz und die Grundsätze Indy's aktzeptieren. Und eigentlich klappt das seit Jahren auch ziemlich gut. Ich erinnere nur an die Berichterstattung zu Genua, Argentinien, Bolivien, G8 in Evian oder in den USA, Bambule in Hamburg, Anti-AKW-Bewegung, Proteste von Studierenden und Schülern gegen Bildungsklau, Netzaktivismus und so weiter.

Wenn Artikel zu einseitig sind, können andere ergänzen oder eigene Artikel veröffentlichen. "Objektivität" war nie das Ziel von Indy - "Objektivität" existiert vielleicht in der Naturwissenschaft, in Politk oder Medien ist "Objektivität" aber eine Lüge.
Wenn Indymedia bestimmte Themen oder Ansichten nicht bringt, liegt das daran, daß noch nicht genügend Menschen veröffentlichen.

Mir stößt noch ein häufiges Missverständnis auf: Indymedia ist nicht nur die Webseite. Indymedia als Prinzip der Nachrichtenproduktion kann und sollte auch ausserhalb des Netzes funktionieren: Zeitungen machen, Videos drehen und zeigen, Radio machen, Strukturen aufbauen, die es mehr und mehr Menschen ermöglicht freien Zugang zu Informationen zu erhalten. Indymedia heisst einfach nur: Nachrichten selbermachen.



PS: Den Kritikpunkten im Artikel kann ich aber teilweise zustimmen, besonders was das Spaktakel, das Konsumieren und den aggressiven Ton der Pseudo-Checker angeht.

kein guter vergleich

eins eins null 17.06.2004 - 19:36

vergleichen - aber richtig.

der vergleich mit der grünen partei ist
ungültig.
würde man das was die grüne partei mitte
der achtziger gemacht hat, als sie eine
"normale partei" geworden sind, auf "normale
medien" vs indymedia übertragen, würde man
sehen, warum indymedia anders ist.
die bürgerlichen medien sind überwiegend
grosse konzerne, und als ergebnis sind der
umsatz und der gewinn die faktoren die das
handeln der mitarbeiter bestimmen.
dementsprechend sieht deren berichterstattung
aus. indymedia hat keine *hust* oder fast
keine hierarchien, und es wird auch nicht
nach gewinn gestrebt oder akkumuliertes kapital
von einer minderheit verwaltet.


vergleiche die grünen lieber mit ... der taz.

dann wird es deutlich: denn indymedia ist nicht
wie die taz.
das soll natürlich nicht heissen, dass alles bei
indy immer nur toll ist, und alles an der taz
grundsätzlich schlecht.


probleme mit den moderationskritierien ?

mir ist nie eine tendenz zu bestimmten
verhaltensweisen oder inhaltlich einseitige
methoden und verfahren aufgefallen.
im gegeteil, sind es oft die leser und autoren,
die sich offenbar untereinander und gegenseitig
zensieren wollen.

"Achtung, der Autor ist von der FDP!" war so
eine meiner lieblingsergänzungen, die ich hier
einmal las.
der artikel war gut, sauber inhaltlich, und
nicht im geringsten irgendwie politisch einseitig.
aber die tatsache, dass der author ein FDP
kreisvorsitzender ist, schien viele leser zu
irritieren. vielleicht hätten die mal den artikel
lesen sollen ?
den mut muss man erst einmal haben, mit seinem
bürgerlichen namen einen artikel einzustellen,
und das als FDP-mann.
da könnten andere noch etwas davon lernen.

als konsequenz pushten die mods den bösen FDP-
artikel dann als leitartikel in die mittelspalte.
hätt ich auch so gemacht, war genau die richtige
entscheidung.


man muss einfach akzeptieren, dass das indymedia
projekt gewisse ziele und aufgaben hat.
ergänzungen mit 14 seitigen marx-zitaten, oder
ergänzungen der marke "fick dich doch selbst
dein artikel ist ja voll scheisse" sind halt
unpassend für ein medium was berichten,
informieren, und dabei den umgang mit sich selbst
und diesen spielregeln lehren will.

wenn die telekom oder ein herr gr@venreuth hier
morgen werbung postet, würden wir das ja auch
"zensieren".

ein kleines bischen meinungsaustausch und
streit gehört natürlich dazu, aber die trennung
in ergänzungen und "keine ergänzung" ist keine
zensur, sondern im gegenteil sogar die möglichkeit
dinge zu posten, obwohl die vielleicht gegen die
spielregeln sind.
nach unten schieben tut weniger weh als löschen !

und wem die moderation nicht gefällt, der muss
mod werden. das wird niemandem verwehrt.


interessant ist auch was du zum thema "objektivität"
schreibst, aber meine "ergänzung" ist jetzt
schon wieder zu lang.




steine werfen ?? FDP ??

linksradikaler 17.06.2004 - 22:37
"...So gibt es Dinge, die auch auf Indymedia nicht gesagt werden können, z.B. dass Steine werfen oder Militanz bescheuert und reaktionär ist. Eine solche Position kann sich durchaus aus vernünftigen linksradikalen Überlegungen ergeben..."

wer kann mir diese absurde logik erklären.?.. ausserderm steht sowas fast unter jedem artikel, wo diese form des widerstands erwähnt wird...habe keinen bock jetzt wieder die militanzfrage zu diskutieren, ist aber peinlich die sache auf diese platte weise zu erwähnen.

zum thema fdp: die fdp ist eine partei, die bis auf wenige jahre ununterbrochen an der macht in der brd beteiligt war (und möllemannn hervorbrachte), und hat daher auch fast alle schweinereien mit zu verantworten die ein staat so anstellt. ein mitglied der fdp unterstützt dies durch seine mitgliedschaft. was solche leute bei indymedia verloren haben ist mir rätselhaft. wenn mich interessiert was parteianhänger denken, kann ich auf das fdp-forum gehen. ach ja, es gibt ja auch "kritische" und "liberale" "querdenker" in dieser partei... wenn sie wirklich so schlau wären würden sie aus der partei austreten, der marsch durch die institutionen ist mit den grünen 68ern gescheitert...
bitte verschont indymedia mit solchen langweiligen texten und macht eure demokratiespiele woanders (vielleicht bei den jusos ??)

Aufklärung

dfzhj 17.06.2004 - 23:07
1.) Der Typ war gar nicht von der FDP, das hat nur ein durchgeknallter Kommentarschreiber durcheinandergebracht.
2.) Wäre es ja noch schöner, wenn irgendwelche Linksradikalen, die ausser Parolen-gröhlen nix auf Reihe kriegen vorschreiben, wer bei Indy schreiben darf oder nicht.
3.) Tssss

@vernünftiger Linksradikaler

bescheuerter Militanter 17.06.2004 - 23:52
Du bist also ein vernünftiger "Linksradikaler", wohl so wie die vernünftigen Leute vor 2 Jahren "mitte" waren, vor einem Jahr "links" und dies Jahr seit Ihr Vernünftigen wohl "linksradikal" - und natürlich gegen Gewalt!
Und weil Du so vernünftig bist, weißt Du, daß in diesem Land alle gewalt vom Volke ausgeht und die Polizei keine Demonstranten zusammenknüppelt, oder auf Polizeiwachen viehisch todtrampelt und todtritt, bei der Abschiebung im Flugzeug erdrosselt oder bei Polzeikontrollen erschießt.
Denn Du bist ja ein "vernünftiger" Linksradikaler!

indy als experiment

tob 18.06.2004 - 01:30
die ganze diskussion wurde auf indy.ch (schweiz) crossgepostet und ich tu jetzt meinen komentar zurückcrossposten:

in unserer gesellschaft (und auch in jeder zukünftigen utopischen gesellschaft) werden wir nicht ohne medien auskommen. ein dorf in der jungsteinzeit konnte vieleicht funktionieren indem man herumerzählte wenn eine rentierherde in der nähe war oder alle sich traffen (VV) um zu besprechen wo welche felder angelegt werden.
aber via herumerzählen hätten wir vieleicht etwa jetzt erfahren das der irak besetzt ist. und wenn sich alle stimmbürger treffen müssten damit die parteien den inhalt und ihre position zu irgendeiner initiative erklären könnten funktioniert ja auch nicht.
die normalen medien sind alle mehr oder weniger vom kapital abhängig, deshalb müssen wir mit neuen formen von massenkommunikation experimentieren. und genau hier setzt indy an, anstelle von inhalten stellt das "medium" mur eine plattform zur verfügung. ein radikal anderer ansatz im vergleich zu traditionellen medien.
deshalb finde ich, sollte man indymedia nicht in erster linie als zentralorgan einer hierarchiefreien bewegung sehen (obwohl das wohl das idealziel wäre), sondern im vordergrund muss das experiment stehen: das ziel neue formen der massenverbreitung von informationen zu entwickeln.
wenn mensch brauchbare informationen auf indy findet soll er sich freuen das es funktioniert und wenn nur scheisse da steht soll er sie ignorieren oder selbst was schlaues schreiben.
auch das geschrei wegen der zensur sollte man im bezug auf das "experimentelle" ein wenig reduzieren, es gibt keine perfekte fertige lösung und probieren geht über studieren.

soweit mein senf dazu.

unter FDP Verdacht

icognito 18.06.2004 - 10:12

>ein mitglied der fdp unterstützt dies durch
>seine mitgliedschaft. was solche leute bei
>indymedia verloren haben ist mir rätselhaft.


siehe was will indymedia. siehe moderationskriterien.


>wenn mich interessiert was parteianhänger denken,
>kann ich auf das fdp-forum gehen.


der oben beschriebene artikel war ein inhaltlicher
artikel zu einem thema XY, und keine meinungsäusserung.
mit einer meinungsäusserung durch FPD-funktionäre
hätte ich in artikeln auch meine probleme, weil
dafür ist das indy diskussionsforum da.
übrigens wissen weder du noch ich ob der mann
wirklich derjenige war, für den er sich ausgegeben hat.
die hauptsache ihn erst einmal scneiden, weil das
internet ja so schön anonym ist.


>bitte verschont indymedia mit solchen langweiligen
>texten und macht eure demokratiespiele woanders
>(vielleicht bei den jusos ??)


wie gesagt: wenn du andere zensieren willst, musst du
mod werden.

das ist die linke

konsument 18.06.2004 - 16:08
sicherlich ist vieles an deiner kritik wahr. aber das ist nicht indys "schuld". indy repräsentiert die deutsche linke und ist ein klares abbild. was hier passiert ist genau das was auch innerhalb der linken und zwischen verschiendenen linken passier. spaltung, sich auf bestimmte brgriffe einschießen und stundenlang darüber diskutieren.

und die zensur? was ohne sie passieren würde, sieht man am beispiel schweizer imc. der fehler ist nicht bei indy zu suchen, sondern in der deutschen linken, die zu kritisieren ja eine "unserer" lieblingsbeschäftigungen geworden ist.

ich denke das ist einfach der preis dafür, das "wir" eine der fortschritlicheren linken in europa darstellen (!!!). produktive diskusionen um macho verhalten, sexismus oder pali tücher gibt es zb in italien nicht, das geht natürlich nicht ohne blöde nebenwirkungen. in den 70gern gab es weniger spaltung, aber inhaltliche lücken ohne ende.

das zb durch antiimps und antideutsche viel kapput gemacht wird gehört wohl einfach dazu.

aber der vergleich mit der bild "zeitung" hinkt schon sehr, ausser das auch ich mich immer wieder dabei ertappe nur artikel mit bildern zu lesen. und ich würde vielleicht auch nicht soviel lesen wie DU es gerade tust, wenn du bis zu meiner ergänzung gekommen bist.

es gibt also viel zu verändern, aber das geht nur durchs mitarbeiten, durch aktive veränderung. und das lohnt und ist richtig, anders als beim parlamentarismus.

Offene Kanäle

Star 18.06.2004 - 19:20
Hier passiert letztlich das, wofür seinerzeit die Offenen Kanäle gegründet wurden: Ein echtes Forum für Leute, die keinen Zugang zu Medien haben, nur als Rezipient.
Dank des Internets ist es möglich geworden, die OK haben eindeutig versagt.
Störend ist nur, dass die Indymedia-Site ungepflegt ist: die Foren-Links führen etwa fast komplett ins Leere.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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