KEIN NAZIAUFMARSCH IN HAMM 17.1.2004

searcha 05.01.2004 23:51
Aufruf zu Gegenaktivitäten von der Jugendantifa Lippstadt, den Jungen Linken Lippstadt und dem Infoladen Clandestino (Lippstadt)
KEIN NAZIAUFMARSCH IN HAMM - Antisemitismus und Faschismus bekämpfen!

?Nachdem bereits am 14.6.2003 rund 200 Nazis durch Hamm marschiert sind, steht nun für den 17.1.2004 ein neuer Aufmarsch der national-sozialistischen ?Kameradschaft Hamm? an, bei dem sie unter dem Motto ?Solidarität mit Palästina? erneut ihre völkisch-reaktionären und antisemitischen Vorstellungen propagieren will.

Natürlich werden wir auch diesmal wieder gegen diese faschistischen Umtriebe vorgehen, die nur allzu offensichtlich versuchen, über eine vermeintliche Kritik am Staat Israel an den immer offener geäußerten Antisemitismus in weiten Teilen der Bevölkerung anzuknüpfen.? (www.antifa-hamm.de)

Der organisierte Neofaschismus in Hamm
Obwohl die Stadtverwaltung und örtliche Polizei immer wieder behauptet es gäbe in Hamm keine rechte Szene ? und militante Neofaschisten schon gar nicht ? besitzt Hamm wohl eine der aktivsten nationalsozialistischen Gruppen in NRW, die ?Kameradschaft Hamm?. Bereits im Juni marschierte die Gruppe unter dem Motto ?Gegen Massenarbeitslosigkeit und Sozialabbau? auf. Damals marschierten die Neonazis mit etwa 200 ?Kameraden? durch den Vorort Bockum-Hövel. Wie etabliert die örtliche Naziszene in Hamm ist war alleine an den Rednern und der internationalen ?Naziprominenz? (u.a. Christian Worch ? aktiver Neonazikader, Axel Reitz ? Führer vom ?Kampfbund deutscher Sozialisten, Hartmut Wostupatsch und Stefan Wijkamp von der ?Nederlandse Volks Unie?), die anwesend waren zu erkennen. Ebenfalls auffällig war, dass über 20 Personen Hemden mit der Aufschrift ?Kameradschaft Hamm? trugen.

Die recht kleine Gegendemonstration antifaschistischer Gruppen stieß auf harte Repressionen und endete mit 84 Platzverweisen und 5 Festnahmen bei etwa 200 Teilnehmern. Mit der Unterstützung der Dorfbevölkerung war nicht zu rechnen; während zur Zeit des sog. ?Aufstand[es] der Anständigen? (Gerhardt Schröder) noch die Strategie verfolgt wurde durch bürgerlichen Protest die Antifa - Bewegung in ihrer Rolle überflüssig erscheinen zu lassen, einigte man sich in Bockum-Hövel darauf ?der braunen Horde die kalte Schulter zu zeigen? (WAZ) und zog die Jalousien runter bis alles wieder vorbei war. Mit diesem akzeptierenden Schweigen wurde erneut versucht die Existenz der Hammer Naziszene und die von ihr ausgehende Gefahr zu ignorieren. Doch wir werden auch dieses Mal wieder versuchen uns den Nazis zahlreich und entschlossen in den Weg zu stellen!

Die Wurzeln des Faschismus bekämpfen! ? Nazis angreifen!
Während wir gegen die Nazis demonstrieren müssen wir uns aber auch klar machen, dass sie nur die Spitze des Eisberges darstellen und nicht vom Himmel gefallen sind. Wir müssen uns die Frage stellen, wie es im Allgemeinen dazu kommt, dass sich bei immer mehr Deutschen eindeutig rassistische Denkstrukturen zeigen und im sogenannten ?Ausländer? oder Juden ein Gegner gesehen wird? Nazis gäbe es nicht wenn nicht die gesellschaftlichen Grundlagen für ihre Existenz bestehen würden, da der Mensch ? wie Karl Marx es sagt ? ?ein Produkt seiner Umgebung? ist. Die Bekämpfung von Faschismus muss also auch ?all seine Wurzeln?, die weitestgehend im Kapitalismus liegen, umfassen um das Ziel ?einer Welt des Friedens und der Freiheit? (Schwur der Überlebenden aus dem KZ Buchenwald) zu erlangen. So sollte jeder Protest gegen Faschismus sich auch gleichzeitig gegen das kapitalistische System richten.

Mit jedem Aufmarsch den die Nazis störungsfrei erleben, werden sie in ihrem Weltbild bestätigt und nehmen an, sie könnten ihre rassistische und antisemitische Hetze konsequenzlos verbreiten. Ein möglichst entschlossener und offensiver Widerstand ist daher Pflicht! Zur Gegenaktion rufen unterschiedliche Gruppen auf. Es bleibt abzuwarten, ob es diesmal gelingt in Hamm eine antifaschistische Demonstration durchzuführen, die groß genug ist um den völkisch-reaktionären Aufmarsch zu verhindern, stoppen oder zu blockieren.

Ihr Motto: ?Solidarität mit Palästina?
Die Hammer Nazis demonstrieren unter dem Motto ?Solidarität mit Palästina? ihre antisemitischen Wahnvorstellungen. Sie benutzen dabei den Staat Israel ? der einst als Konsequenz aus dem Holocaust und des weltweit vermährten Antisemitismus gegründet wurde ? um auf ihn ihre antisemitische Ideologie zu übertragen. Die Neofaschisten erhoffen sich durch dieses Demonstrationsmotto Zuspruch aus den verschiedensten politischen und unpolitischen Kreisen zu bekommen. Wie jüngst eine Studie feststellte wird immerhin Israel in Europa und besonders in Deutschland als ?größte Gefahr für den Weltfrieden? angesehen. Wobei ein Großteil derer die zu diesem Ergebnis beigetragen haben, sicherlich für diese Entscheidung einen antisemitischen Beweggrund gehabt haben, da immer mehrere Menschen sich durch die Existenz dieses Staates an die lästige Schuld erinnert fühlen, die diese Existenz zur Notwendigkeit machte. Israel wird als ?das Übel? und ?die größte Bedrohung für den Weltfrieden? bezeichnet. Wobei man sogar schon kritisch hinterfragen sollte ob es überhaupt in dieser Gesellschaft einen ?Weltfrieden? zu erlangen gibt. Nicht selten wird versucht Naziverbrechen zu relativieren in dem man überall ?zweite Hitler? oder ein ?neues Auschwitz? wittert. Ganz besonders abartig wird es dann aber, wenn ausgerechnet dem Staat der Holocaust-Überlebenden derartiges vorgeworfen wird, da hierbei nicht nur der Holocaust aus seiner Singularität gedrängt wird, sondern auch noch die Opfer zu Tätern (und in der Regel die Täter zu Opfer) gemacht werden.

Das Motto ?Solidarität mit Palästina? wurde aus der Sicht heraus, dass es zwei ?Völker? gäbe, die oppositionell zu einander ständen, gewählt: die Israelis (als Juden) und die Palästinenser (als Moslems). Letztendlich heißt für die Kameradschaft Hamm ?Solidarität mit Palästina? nichts anderes als der Kampf gegen ?die Juden?. So ist es nicht verwunderlich, dass man sich eben auch gerne mal solidarisch mit Selbstmordattentätern, deren einzigste Motivation es ist, so viele Juden wie nur möglich in den Tod zu reißen, erklärt.

Es gilt uns am 17.1. sowie an jedem anderen Tag auch entschlossen gegen jede Form des Antisemitismus ? wie auch immer er auftreten mag ? zu kämpfen und den Nazis eine handlungsfähige linksradikale Gegenbewegung entgegen zusetzen!

Nazis bekämpfen!
Kein Frieden mit Deutschland!

Naziaufmarsch verhindern!
Samstag, 17.01.04, Hamm (Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben!)

Unterstützer dieses Aufrufes:
Jugendantifa Lippstadt, Junge Linke Lippstadt, Infoladen Clandestino (Lippstadt), Junge Linke Gelsenkirchen


--->  http://www.antifa-hamm.de
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Ergänzungen

Naziaufmarsch auch in Hamburg verhindern!

del 06.01.2004 - 00:25
31.1. Infos unter www.antifa-hamburg.com

Strukturelle Kritik am Aufruf

Kritiker 06.01.2004 - 01:05
In Teilen der autoritären Linken wird dieses Konzept nicht verstanden oder abgelehnt (oer beides).
Mittlerweile gibt es sogar eine eigene Open-Posting-Termin-Rubrik (  http://www.protest.net/indy/calendrome.cgi) und Sammlung von Mobilisierungstols/Terminseiten (  http://de.indymedia.org/static/termine.shtml). Dennoch werden Termine/Aufrufe von einigen nicht im Termin-Bereich gepostet, sondern im Nachrichtenbereich.
Dort haben sie weder für die Aufrufer Sinn (weil sie ungeordnet schnell nach unten rutschen und nicht mehr sofort auffindbar sind), noch für Indymedia (wenn man im Archiv nach älteren Berichten zurückblättert, muss man sich durch einen Wust von abgelaufenen Terminen quälen). Einige Gruppen und ihre Mitglieder missbrauchen die Open-Posting-Funktion aus mehreren Gründen:
- es ist schön einfach und andere Ansätze aktzeptieren war noch nie die Stärke der Linken,
- es ist eine demonstrative Aktionsform gegen nicht kontrollierbare (und damit unbequeme) Medien,
- ein Ändern des Vorgehens würde Kritik-Einsicht bedeuten - Kritikannahme ist aber in Teilen der Linken tabu, da sie mit Gesichtsverlust und Schwäche der ideologischen Standhaftigkeit verstanden wird

Schade.

Geheuchelter Antifaschismus

ruhrpottler 08.01.2004 - 13:12
aus junge Welt: 07.01.2004

Inland
Markus Bernhardt

Geheuchelter Antifaschismus

Hamm: Antideutsche nutzen Neonaziprovokation, um Angriffe gegen Linke zu verstärken

Unter dem Motto »Antisemitismus und Faschismus bekämpfen – für eine kosmopolitische Linke« will die Antifa Hamm am 17. Januar gegen einen Aufmarsch von Neonazis protestieren. Die wiederum wollen in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt ihre »Solidarität mit Palästina« demonstrieren.

Der Aufzug der Rechten könnte indes die weitere Spaltung der Antifaszene des Ruhrgebietes fördern. Denn neben der sich gemäßigt antideutsch gebenden Antifa Hamm mobilisieren auch die Bellizisten diverser Gruppen mit einem eigenen Aufruf zu Aktionen, die den Neonaziaufmarsch zum Anlaß nehmen. So findet sich auf der Internetseite www.no-nazis.de ein Aufruf verschiedener antideutscher Gruppen, in dem zum wiederholten Mal eine Art antisemitische Volksfront aus »deutschen Nazis, DemokratInnen und nicht unwesentlichen Teilen der radikalen Linken« herbeifabuliert wird, die »Israel und die USA, also Individualität, Weltbürgertum und Fortschritt«, bekämpfen wolle. Im weiteren Text findet sich allerdings ohne Bezug zum oben Zitierten, die Erkenntnis, daß der Kapitalismus »Verblendungszusammenhänge« produziert, die sich »unter anderem als Nationalismus, Rassismus oder eben Antisemitismus äußern können«.

Antifaschisten, die gegen die Neonaziprovokation protestieren wollen, ohne imperialistische Aggressionen zu befürworten, bleibt wohl nichts übrig, als abseits der »Antideutschen« zu demonstrieren.

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