Die "Narco-Guerilla" in Kolumbien

Max 09.12.2003 15:22 Themen: Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Die FARC-EP (Forzas Armadas Revolucionarias de Colombia–Ejército del Pueblo - die Revolutionären Streitkräften Kolumbiens-Volksheer) werden normalerweise in den zugänglichen Medien weltweit als nichts anderes als TerroristInnen und DrogenhändlerInnen dargestellt. Die Informationen stammen meistens direkt vom kolumbianischen Militär, von den kolumbianischen und nordamerikanischen Regierungen oder von den kolumbianischen Medien.
„Das Narco-Guerilla Phänomen stammt aus der Beziehung zwischen Guerillaorganisationen und Drogenhändlern in einer Allianz, die in der Praxis eine Strategie geworden ist, um die staatliche Ordnung zu unterminieren und spezifischen illegalen Interessen zu folgen, während sie gegenseitig ihre eigenen Überlebenschancen gewährleisten... . Die FARC widmen 37 Fronten, etwa 2.800 Mann (50% ihrer Streitkräfte) den Drogenangelegenheiten...“
Major Javier Enriqué Rey Navas, kolumbianische Armee

Die FARC-EP (Forzas Armadas Revolucionarias de Colombia–Ejército del Pueblo - die Revolutionären Streitkräften Kolumbiens-Volksheer) werden normalerweise in den zugänglichen Medien weltweit als nichts anderes als TerroristInnen und DrogenhändlerInnen dargestellt. Die Informationen stammen meistens direkt vom kolumbianischen Militär, von den kolumbianischen und nordamerikanischen Regierungen oder von den kolumbianischen Medien. Die überwiegende Mehrheit der Zeitschriften, Zeitungen, Radio- und Fernsehsender gehören einigen reichen Familien der herrschenden Oligarchie, wie dem Santos-Clan, dem die Zeitung El Tiempo gehört. Alle vertreten die persönlichen Interessen der Herrschenden und versuchen, den bewaffneten Aufstand in Misskredit zu bringen, der sich als eines der größten Hindernisse der Schaffung von stabilen Verhältnisse erweist, die ausländische InvestorInnen anlocken würden. Kolumbien ist übrigens der drittgrößte Empfänger von finanzieller Hilfe aus den USA hinter Ägypten und Israel, alle sind Länder mit Regierungen, die eine unterdrückerische Politik gegen ihre eigenen Bevölkerungen betreiben.

„[Die Rebellen] stecken bis über beide Ohren im Drogenhandel“
Anne Patterson, US-Botschafterin für Kolumbien

„Wir wissen, dass die FARC Kokapflanzen anbauen, dass sie Kokainlabors besitzen... ...an die internationalen Kokainkartelle verkaufen.“
General Jorge Mora, kolumbianischer Armee

„In den südlichen Landteilen bewachen drei von diesen FARC-Fronten die Pflanzungen, die Start- und Landbahnen, von denen sie losfliegen und die Labors. In einigen Fällen transportieren sie die Drogen. Aber ich denke, und wie die kolumbianischen Behörden argumentieren, dass sie ihren Teil schon bekommen haben, bevor die Drogen die Gegend verlassen haben. Also wenn vier Tonnen Kokain 960 Kilometer außen im Pazifik beschlaggenommen werden, wurde die FARC schon bezahlt...“
Barry McCaffrey, Leiter für die Drogenpolitik im Weißen Haus

Trotz der Anschuldigung seitens der US-Regierung und der kolumbianischen Armee, dass die FARC eine „Narco-Guerilla“ sei, wurde keine eigentlichen Drogenlabors der Guerilla gefunden, trotz Behauptungen, dass Drogenlabors, die in den von der Guerilla kontrollierten Gebieten entdeckt wurden, der FARC gehörten. Weder wurden FARC-Drogenlabors gefunden noch FARC-Drogenlieferungen abgefangen. Das beste, dass die US Drug Enforcement Administration (DEA – Drogenkontrollbehörde) sich ausdenken konnte, war die Festnahme von Carlos und die seiner Gefährten in Surinam. Sie hatten keine Drogen dabei, als sie festgenommen wurden. Einige Mitglieder der 16. Front der FARC, darunter Thomas Molina Caracas, wurden angeklagt, nachdem der verhaftete brasilianische Drogenbaron Luis Fernando de Costa gegen sie Aussagen gemacht hatte. De Costa wurde im April 2000 im kolumbianischen Dschungel festgenommen. Er behauptete, dass er der FARC US$10 Millionen für Drogen bezahlt hätte, und dass er manchmal Waffen gegen Kokain getauscht hätte. Ob mensch jemandem, der so tief in dem Drogenhandel für seine persönliche Bereicherung steckt, glauben kann, ist sehr zweifelhaft, besonders angesichts des Ausmaßes irgendwelcher Geschäfte, die er mit der Polizei hätte machen können. Während die DEA glaubt, dass einige Mitglieder der FARC wie Thomas Molina an dem Drogenhandel beteiligt sein könnten, gibt sie zu, dass es keine glaubwürdigen Informationen gibt, die belegen, dass die FARC ein Drogenkartell geworden ist („The Paramilitary Threat in Colombia“, DEA Intelligence Division).

In einem Bericht von 1992 („Narco-Insurgent Links in the Andes“) behauptete die CIA, dass obwohl Zusammenarbeit zwischen den Drogenkartells und der Guerilla existiert, und dass obwohl die FARC am Kokain- und Heroinhandel immer beteiligt waren, arbeiteten die Drogenhändler lieber zusammen mit korrupten Armeeoffizieren und Polizeibeamten gegen die FARC als Reaktion auf die Besteuerung des Drogengeschäfts in den von der FARC kontrollierten Gebieten.

„Die FARC sind kein Drogenkartell; sie sind keine Mafia. Sie sind eine bewaffnete Gruppe, die sich entschieden hat, Krieg zu führen, um für eine radikale Veränderung in der sozialökonomischen Lage und gegen das existierende politische System zu kämpfen. Die Tatsache, dass die FARC 40% ihrer Mittel aus dem Drogenhandel erwirbt, macht ihre politische Ziele nicht ungültig, und macht sie nicht zu einer Mafiaorganisation. Es ist wichtig zu erkennen, dass die FARC die Mittel, die sie vom Drogenhandel und Entführungen bekommen, nicht für persönliche Bereicherung, im Unterschied zu Drogenhändlern, sondern um ihre Struktur im Krieg gegen den kolumbianischen Staat zu verstärken.“
Alfredo Rangel, kolumbianischer politischer Wissenschaftler und Autor von einigen Büchern über die FARC, 1999

Obwohl der militärische Analytiker, Alfredo Rangel, weist darauf hin, dass die Beteiligung der FARC am Drogenhandel keine Wirkung auf die Legitimität ihres Kampfes hat, versucht er immer noch eine enge Verbindung zwischen den FARC und dem internationalen Drogenhandel zu ziehen als Teil der Regierungsstrategie, US-Gelder, die für den Kampf gegen Drogen bestimmt sind, für den Kampf gegen die Rebellen verfügbar zu machen.

Trotz der Behauptungen der zugänglichen Medien, einschließlich relativ liberaler Zeitungen wie Le Monde Diplomatique, dass die Guerilla von ihren Drogengeldern in absolutem Luxus lebten, führen die GuerillakämpferInnen ein relativ spartanischen Leben. Der Begriff „Narco-Terrorist“ kann für solche Drogenbosse wie Pablo Escobar verwendet werden, der Terroranschläge verübt hat, wie der auf ein Passagierflugzeug, im Jahr 1989, um seine Macht und seinen Reichtum sowie den des Medellinkartells, zu vergrößern. Die US Defense Intelligence Agency (DIA) (US-Verteidigungs...) räumte ein, dass die Guerillas an dem Drogenhandel teilnahmen, „mehr um Waffen, Munition und Sprengstoff zu kriegen als für die bloße Anhäufung von Reichtum.“ Sie gab auch zu, dass „es keinen Hinweis gibt, dass die verschiedenen Guerillafraktionen ihre eigenen Felder anbauen, oder ihre eigenen Verarbeitungs- und Lieferungssysteme koordinieren.“ Die DEA hat wiederholt in Aussagen vor dem US-Kongress anerkannt, dass die FARC nicht direkt an dem internationalen Drogenhandel, der Heroin und Kokain in die USA bringt, beteiligt sind.

„Bis heute existieren keine Beweise, dass die aufständischen Gruppen selber mit Kokain handeln, weder indem sie Kokain-HCL herstellen, noch indem sie es an die mexikanischen Syndikate verkaufen, noch indem sie ihre eigenen Verteilungsnetze in den USA aufgebaut haben..“
Aussage von Donnie Marshal, Chef der DEA, vor dem Unterkomitee für Nationale Sicherheit

Die Strategische Informationssammlungsabteilung der DEA widerlegte in ihrem Bericht „Insurgent involvement in the Colombian drug trade“ die Behauptungen, die einige US-Beamte gemacht hatten, dass die Guerillagruppen tief in allen Phasen des Drogenhandels verstrickt waren, und dass sie zu Kolumbiens „Drittem Drogenkartell“ geworden wären. Die Beteiligung der Guerilla am Drogenhandel ist begrenzt, trotz der Behauptung des kolumbianischen Staates. Die DIA wies in ihrem 1993 erstellten Bericht „Smuggling Trends in the Department of Huila“ darauf hin, dass Angriffe auf die in der Drogenbekämpfung eingesetzten Kräfte (sie es Besprühungsflugzeuge, Begleitschützhubschrauber oder Bodentruppen), die normalerweise der FARC zugeschrieben werden, oft von den KokabäuerInnen selbst verübt werden. Ob die Angriffe von den Guerillas oder von den KokabäuerInnen verübt werden bleibt den meisten Militärs und Polizeibeamten eigentlich gleich. Sie betrachten die Guerilla und die KokabäuerInnen als eins, was ihnen hilft, ihre Angriff auf die Zivilbevölkerung zu rechtfertigen.

Die Ursachen der Beteiligung der FARC am Drogenhandel muss in einem historischen Zusammenhang betrachtet werden. In den 1980er und den frühen 1990er Jahren erlebte die Art und Weise der Konflikt geführt wurde einige beträchtlichen Veränderungen wegen des Auftretens von Drogenhandel und Paramilitärs, die von Drogenbossen wie Pablo Escobar, die oft linke Organisationen angriffen. Dies gipfelte in der Ermordung von mehr als 4000 Mitgliedern der linken Unión Patriotica und der kommunistischen Partei der parlamentarischen Linken. Der Drogenhandel ist in alle Schichten der Gesellschaft von Abgeordneten bis zu den KleinbäuerInnen durchgedrungen. Die FARC passten sich der Lage einfach an. Anfangs waren die Beziehungen zwischen den FARC und dem Drogenhandel in der Ansicht der US- und kolumbianischen Regierung etwas vage, wenn es sie überhaupt gab, denn die Aufmerksamkeit der Antidrogenkräfte war auf das Medellin und Cali Kartell gerichtet. Sobald der Drogenhandel eine Restrukturierung unterzogen wurde, wobei er weniger hierarchisch wurde and schwieriger direkt anzugreifen war, wendete sich ihre Aufmerksamkeit schnell den FARC und dem ELN zu, denn die waren die nächstgrößten Bedrohungen des kolumbianischen Staat und der existierenden Oligarchie, weil sie eine klare homogene Struktur und große Einflusszonen besaßen.

„Es gibt keinen Grund, warum uns jemand vorwerfen kann, dass wir irgendwelche Verbindungen mit dem Drogenhandel hätten. Wir nehmen einfach eine Steuer ein.“
Fabian Ramirez, Kommandant der Sudbloc der FARC in Caquetá und Putumayo (in „A spiralling devastation“, von Karl Penhaul, Crimes of War  http://www.crimesofwar.org/archive/archive-samerica.html)

Ivan Rios, Mitglied des Hauptkommandos der FARC, bestätigte im Jahr 2000 in einem Interview mit der linken Zeitschrift So oder So!, dass die FARC Kokaanbau in den Gebieten tolerieren, die von ihnen kontrolliert werden, solange es keine Alternativen gibt. Schon 1981 versuchten die FARC den Kokaanbau in einem von ihnen kontrollierten Gebiet zu verbieten, wobei sie schnell feststellten, dass die kolumbianische Armee, die daraufhin die Region besetzte, erlaubte wieder den Kokaanbau. Die FARC haben aus dieser Erfahrung gelernt und wollen nicht, dass ihre Unterstützungsbasis, die kleinen KokabäuerInnen zu dem Feind überlaufen. Die FARC behaupten, dass sie den Anbau von Kokapflanzen nur verbieten würden, wenn die BäuerInnen finanzielle Unterstützung für den Anbau von Alternativen bekommen würden, ob von der kolumbianischen Regierung oder aus dem Ausland. 1999 boten sie sogar an, einen freiwilligen Pilotplan für alternaive Pflanzen in der Caragena de Chairá Region im Bundesstaat Caquetá einzuführen, wo sich 8.765 Hektar illegaler Kokapflanzungen befanden. Sie wollten auch die Infrastruktur der Region verbessern, aber der ganze Plan wurde von der Pastrana-Regierung und der US-Botschaft abgelehnt mit der Begründung, dass sie keine Pläne unterstützen würden in Gebieten, die der Staatsgewalt nicht unterlagen. Natürlich wollte die Regierung nicht, dass die FARC einen Pflanzenersatzplan erfolgreich durchsetzt, was Verlust an Unterstützung und Legitimität für den Staat als Folge hätte haben können.

„Solange wir die Steuer zahlen, lassen uns die Guerillas in Ruhe. Sie kommen nicht mal vorbei.“
Elver Gomez, Vorarbeiter eines Drogenlabors in der Caguan Region („A wary look at life’s battles in Colombia’s cocaine belt“ Boston Globe, 4. Juni 2001)

Die KokabäuerInnen verkaufen die Kokapaste für $780 pro Kilogramm (2001 Preis) an Drogenhändler, die der DEA nach für bis zu $170.000 auf den Straßen New Yorks als Kokain verkauft wird. $780 ist der Mindestpreis, der von den FARC festgesetzt wurde, den die Drogenhändler für die Paste zahlen müssen, um sicherzustellen, dass die BäuerInnen einen fairen Preis für ihr Produkt bekommen. Die Händler müssen ein Steuer von zwischen $220 und $350 pro Kilo zahlen, worüber nicht verhandelt werden kann. Die FARC verlangen auch, dass die BäuerInnen andere Nutzpflanzen anbauen, um von der Monokultur der Kokapflanzungen weg zu kommen. Der Mangel an ernsthaften Alternativen zum Anbau von Koka und anderen Drogenpflanzen und die Kriminalisierung der BäuerInnen, denen keine Alternative zum Kokaanbau bleibt, führt zu einer größeren Unterstützung der Guerilla in den „Kokagebieten“ wie Putumayo im südlichen Kolumbien.

Die FARC verdient angeblich etwa $300 Millionen pro Jahr, in dem sie alle Phasen des Drogenhandels in ihren Gebieten besteuert. Dieser Betrag entspricht weniger als 2% des totalen Wertes von Kolumbiens Kokainproduktion. Die FARC erhebt Steuern auf groß- und mittelgroße Landwirtschaftsbetriebe, Zwischenprodukte, Händler, Verarbeitungslaboratorien und versteckte Lande- und Startbahnen. Diese Einnahmen sind winzig im Vergleich zu dem, was Armeeoffizieren, PolitikerInnen und Paramilitärs vom Drogen Handel verdienen. Die zugänglichen Medien erwähnen fast nie die frühere Beteiligungen des gegenwärtigen Präsidenten am Drogenhandel. Fernando Garavito warf in seinem Artikel „Cuando era Moscorrofia“ (El Espectador, 17. Februar 2002) Licht auf Uribes Verbindungen mit den Ochoa-Brüder des Medellin-Kartells und mit Pablo Escobar selbst. Er erwähnte auch, dass die US-Regierung versuchte, ohne Erfolg Uribes Vater, Alberto Uribe Sierra, wegen Drogenhandel auszuliefern. Fünf Tage nach der Veröffentlichung des Artikels musste Garavito das Land verlassen, nachdem er einige Todesdrohungen bekommen hatte. Diese Behauptungen schließen ein, dass Uribe eng mit dem Medellin-Kartell zusammen gearbeitet hat während seiner Amtzeit als Bürgermeister der Stadt, und dass er viele Flugführerscheine an Mitglieder des Kartells ausstellte, während er Direktor für Zivilluftfahrt war. Unter seinen Freunden befinden sich Cesar Villegas, der eine enge Beziehung mit dem Cali-Kartell hatte, sowie Pedro Juan Moreno Villa, der an der Verschiffung von Kaliummanganat in Kolumbien beteiligte war. Diese Chemikalie ist wichtig für die Herstellung von Kokain. Diese Behauptung werden meistens „übersehen“ in der Diskussion im Krieg gegen Drogen oder die Kritik wird aktiv unterdrückt. Als Uribe tatsächlich einmal in einem Interview mit Newsweek direkt über seine ehemalige Verbindungen mit dem Drogenhandel befragt wurde, beendet er sofort das Interview (siehe  http://www.narconews.com/uribevsthepress.html).

„Es gibt keine mehr innerhalb Kolumbiens niemand mehr, der wirklich glaubt, dass dies eine Antidrogenoperation sei. Sie alle glauben, das es ein Krieg gegen die FARC ist.“
Robert White, ehemalige US-Botschaft für El Salvador

Die Tatsache, dass der Großteil der Besprühung von Kokapflanzungen mit Herbiziden auf Guerillagebiete konzentriert ist, zeigt, dass es eine Priorität des „Plan Colombia“ ist, die Unterstützungsbasis zu unterminieren und den FARC eine Finanzquelle abzugraben. Dass die Kokagebiete, die von den regierungsbefürwortenden Paramilitärs kontrolliert werden, beinahe unversehrt bleiben bestätigt dieses. Die FARC greifen Besprühungsflugzeuge an, die sie als Waffen in einem chemischen Krieg betrachten, der von der US- und der kolumbianischen Regierung geführt wird, um die FARC indirekt anzugreifen. Dass die FARC versuchen, diese Flugzeuge abzuschießen und dass sie versuchen, KokabäuerInnen vor militärischen und paramilitärischen Angriffe zu schützen, bedeutet nicht automatisch, dass sie die Drogenpflanzungen schützen, obwohl es selbstverständlich ist, dass die FARC ihr Gebiet einschließlich Pflanzungen vor Angriffen verteidigen. Der Begriff „Narco-Guerilla“ wird von der kolumbianischen Regierung benutzt, um die Aufmerksamkeit vom sozialen und wirtschaftlichen Kampf wegzulenken und um Unterstützung von ausländischen Regierungen zu gewinnen. Die FARC verlangen, dass die Regierung diesen abfälligen Begriff nicht mehr verwendet als eine der Voraussetzungen für irgendwelche Friedensverhandlungen.

Ein US-Abgeordneter fasste die Situation in Kolumbien mit den folgenden Worten zusammen:
„Dies hat nichts mehr mit Drogenbekämpfung zu tun, sondern mit Aufstandsbekämpfung.“
Senator Patrick J. Leahy, Demokrat und Vorsitzender des Unterkomitee für Operationen im Ausland.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Super

Rucksacktourist 09.12.2003 - 17:37
Ist wirklich mal ein sehr interessanter Artikel zum Thema FARC und Kolumbien. Er stellt meiner Meinung nach aber ebenfalls nur einen Teil der Wahrheit dar. Kolumbien ist wohl das korrupteste Land was es auf diesem Planeten gibt und ohne Drogen würd da drüben einfach nix laufen. Uribe glaubt eh keiner, die Paramilitärs sind Mörder aber was ist mit der FARC ? Es fällt schwer zu glauben das die FARC einfach nur eine Opposition darstellt und die Drogen "nur" benutzt um an Waffen usw. zu kommen. Selbst wenn dies der grundsätzlichen Meinung der FARC entspricht, die FARC ist gross, der Urwald undurchdringlich und es wird ne Menge korrupter Schweine in der FARC geben die Sozialismus und Gerechtigkeit als Deckmantel für Rekrutenanwerbung und Drogenhandel benutzt. Und ich hab auch schon sehr schlimme Sachen über die FARC gehört (Ausbeutung weiblicher Rekruten, terrorisieren von Dörfern). Kolumbien ist weit weg, ich würd gern glauben das die FARC das ist was sie vorgibt zu sein, aber es fällt mir schwer... leider.

Empfehlenswertes Buch

Lena 09.12.2003 - 23:36
Im folgenden ein sehr empfehlenswertes Buch in dem sich ein langes Kapitel zu den Profitören des Krieges in Kolumbien befindet:


Das Unternehmen Krieg - Paramilitärs,
Warlords und Privatarmeen als
Akteure der neuen Kriegsordnung"
Dario Azzellini und Boris Kanzleiter (Hg.)


Mit Beiträgen von:
Thomas Seibert, Dario Azzellini, Knut Rauchfuss, Matilde Gonzales, Boris
Kanzleiter, Dr. Matin Baraki, Henri Myrttinen, Björn Aust, Lisa Rimli,
Dieter Drüssel und Volker Eick


Im Neoliberalismus werden nicht nur Staatsbetriebe privatisiert, sondern
auch die Kriegführung. So übernehmen private Militärunternehmen im
Auftrag des Pentagon verstärkt Kampfaufträge. In Afrika verwandeln sich
reguläre Armeen in private Bergbauunternehmen. Zur Aufstandsbekämpfung
rüsten in Kolumbien und der Türkei Politiker private Paramilitärs aus,
die gleichzeitig vom Drogenhandel profitieren. In Afghanistan werden
Warlords unter Protektoratsherrschaft mit Regierungsgewalt ausgestattet.
"Das Unternehmen Krieg" geht neuen Formen der Kriegsführung nach. Statt
"Staatszerfall" und "Chaos", wie in den Medien oft beschworen, zeichnen
sich dabei die Konturen einer "Neuen Kriegsordnung" ab. In ihr werden
private militärische Akteure von Eliten eingesetzt, um Herrschaft zu
sichern. Dabei ist oft nicht mehr ein militärischer Sieg, sondern die
Kriegführung selbst das Ziel, um Profite erzielen zu können.
Hinterlassen werden Hunderttausende von Opfern und Gesellschaften, in
denen Wege zur Emanzipation neu eröffnet werden müssen.
Der Sammelband füllt diese Thesen mit Länderkapiteln zu Kolumbien, der
Türkei, Mexico, Guatemala, Jugoslawien, Afghanistan, Indonesien, Kongo,
Angola und den USA.
Die AutorInnen versuchen einen Beitrag zur Information und Diskussion
der Neuen Kriege zu leisten und zielen damit nicht zuletzt auf die
Anti-kriegs-und die Friedensbewegung ab. Wichtig erscheint dabei
insbesondere die Erkenntnis, dass sich die Grenzen zwischen Krieg und
Frieden immer weiter verwischen. Wie die im Buch dargestellten
Entwicklungen zeigen, ist das Bombardement Bagdads oder Belgrads eben
keineswegs die kurzzeitige Unterbrechung eines imaginierten "Friedens"
durch den Ausnahmezustand "Krieg". Vielmehr breitet sich in größer
werdenden Teilen des Globus ein permanenter Kriegszustand
unterschiedlicher Intensität aus, der komplexere Antworten erfordert,
als die Forderung nach dem Ende der Bombardierungen.

Erschienen bei Assoziation A, Mai 2003, ISBN 3-935936-17-6, 14 Euro

¡SUPER!

inkognito 10.12.2003 - 01:08
Danke fuer diesen Artikel!
Die FARC als ganzheitliche Organisation ist sicherlich ein POLITISCHES Phaenomen, darrueber sind sich zivile Kenner der Organisation und der Situation im Land weitgehend einig. Wenn von einer terroristischen Vereinigung im Land gesprochen werden kann, dann v.a. von der Regierung, inkl. klandestinem Arm (Paras) und der oekonomischen und politischen Fuehrungsschicht im Land. Die FARC ist in erster Linie eine antiterroristische Organisation. Dennoch und an der Stelle hat "Rucksackterrorist" recht: die FARC ist eine grosse Truppe und da mischen sich auch Schweine drunter. Aber wie viele Schweine sind das? Und: in der deutschen Linken, und zwar nicht nur bei den Stalinisten und bei Attack sondern ueberall (!!!), haben sich auch ne Menge Schweine eingeschlichen; die Bild Zeitung trumpfte einmal mit einer Liste von "In-Worten" unter Jugendlichen auf, bei derer Erwaehnung die Eltern aufhorchen sollten. Neben "Basy", "Bong" und anderen Worten fand sich das Wort "Antifa". Die Antifa, ein Haufen von kriminellen, gewaltbereiten, fiesen, sektiererischen Geschaeftemachern?! KRIMINELL JA ABER SCHOEN KRIMINELL UND KEIN SCHWEINSHAUFEN A LA SCHROEDER UND CO!!! Der Tenor des Artikels, den propagandistischen Hauptschwachpunkt der FARC aufzuhellen, ist - auch wenn es ne Menge widerliche Antifas gibt - also einfach KORRECKT. Der Rucksacktourist hat dennoch Recht: so gibt es auch genuegend Menschenrechtler, die jede Art bewaffneten Kampfes prinzipiell ablehnen, aus teilweise sehr einfachen Gruenden: So z.B. eine Aktivistin der OFP (Organizacion Feminina Popular) die zwar die Paras ganz deutlich als das vornehmliche Uebel begreift, dennoch keine Fuersprecherin der Guerilla ist: Ihr Lebensgefaehrte war vor Jahren von einem Guerillakommando ermordet worden, unter der Beschuldigung, ein Spitzel zu sein. Sehr viel weniger willkuerlich, als die Paras, sind auch die Guerrillas nicht die genauesten, wenn es darum geht, vermeintliche Spitzel zu ermorden. Die Pallette von extralegalen Hinrichtungen und schlimmsten Unfaellen ist nicht klein. Klein jedoch im Vergleich zu der Palette der Menschenrechtsverletzungen des (Para-) Staates. Und um sich in die Situation eines Guerillakommandos, umgeben von Infiltation durch den militaerischen Geheimdienst und Verrat durch gekaufte Ex-Sympatisanten, -Mitkaempfer, -Unterstuetzer, hineinzuversetzen, bedarf es mehr, als die Statistiken von Amnesty International zu kennen. Der Artikel ist total korreckt, auch tendenziell; es ist genau die Art von Gegeninformation bezueglich Kolumbiens, die dieses Medium (Indymedia, aber laengst nicht nur) gebraucht hat! Die Recherche scheint gut und ich bedanke mich beim Autor, er konkretisiert das, was der Konflikt vor Ort immer wieder verraet, zumindest durchscheinen laesst, und was bestinformierte Einzelpersonen ab und an mal ziemlich klar benennen. Ich habe uebrigens mal zu dem Thema im Internet recherchiert, deutsche und spanische Quellen betrachtend. Es ist erschreckend, wie viel an Desinformation, an uebelster Kritik an diesen "Terroristen" da zusammenkommt und wie wenig Gegeninformation sich findet. Max hat sich das wohl zu Herzen genommen...

hey, klar

weist 10.12.2003 - 09:15
Wie lange geht der Bürgerkrieg denn schon? Klar, daß sich alle Seiten verschanzt haben, und daß es nüchtern betrachtet kaum noch Aussicht gibt, die verfeindeten Positionen auch gerade in der Zivilgesellschaft zusammenzuführen: der Bürgerkrieg dreht sich längst zu sehr um sich selbst. Und welche Möglichkeiten gibt es denn noch, in diesem halbverreckten 'Staat' an Geld zu kommen? Ein cooler Bericht mit wertvollen Ergänzungen, der seit langem überfälliges ausgewogenes Bild der Situation zeichnet. Denn obwohl FARC und ELN wohl nur im Zuge einer kontinentweiten revolutionären Nostalgie tatsächlich ihre Vorstellungen - oder was davon noch übrig ist - einer zukünftigen Gesellschaft durchsetzen können würden (dazu sind sie halt einfach zu unbeliebt), obwohl sie wie alle anderen Gruppen die Hand beim lukrativsten Exportprodukt des Landes aufhalten und obwohl sie eben auch, gerade *weil* der Bürgerkrieg längst zur Sache jenseits von 'wieso das denn' geworden ist, keine blütenweißen Engelchen sind, gibt es doch praktisch keine politschen Kräfte im Land, unter deren Herrschaft die Bevölkerung weniger leidet und weniger Willkür ausgesetzt ist. Und die echte, originäre Narcoguerilla marschiert nach der Kampagne gegen die Kartellführungen mittlerweile bei den AUC mit, wo sie als Großgrundbesitzermiliz eigentlich auch ganz 'gut' aufgehoben ist.

guerrilla und drogenhandel

zeb 10.12.2003 - 17:26
Ich frag mich worauf du eigentlich hinaus willst. Einerseits erwähnst du zwar öfter, dass die FARC am Drogenhandel beteiligt sind, aber andererseits deckst du deren Handeln ständig, und steckst den Schwarzen Peter wieder anderen zu. Du versuchst mit ein paar Eingeständnissen was die Verquickung von Kokaanbau und FARC betrifft, deren Handeln nicht mal zu legitimieren, sondern in größerem Ausmaß zu bestreiten. Zu dem Zitat von Alfredo Angel schreibst du:
„Obwohl der militärische Analytiker, Alfredo Rangel, weist darauf hin, dass die Beteiligung der FARC am Drogenhandel keine Wirkung auf die Legitimität ihres Kampfes hat, versucht er immer noch eine enge Verbindung zwischen den FARC und dem internationalen Drogenhandel zu ziehen als Teil der Regierungsstrategie, US-Gelder, die für den Kampf gegen Drogen bestimmt sind, für den Kampf gegen die Rebellen verfügbar zu machen.“

Das ist nicht dein ernst oder? Die FARC nehmen ja „nur“ eine Steuer ein..., oder wie? Ja, du hast recht, andere haben wirklich viel Dreck am Stecken, aber lässt sich die FARC dadurch moralisch höher stellen? Oder willst du dadurch die FARC von dem Vorwurf des Drogenhandels befreien? Nichts dagegen machen und dazu noch davon Profitieren in dem man den Kokaanbau besteuert, kann von bestimmten Seiten sehr wohl als mitmachen ausgelegt werden. Das Problem liegt zwar wirklich nicht im Kokaanbau selbst, sondern in der Kriminalisierung des Kokaanbaus, und der Alternativlosigkeit der armen Kleinbauern, aber die FARC greift auch nur in die Trickkiste wenn sie sagen, dass sie ja „nur“ Steuern auf den Drogenhandel erheben, aber nicht direkt am Drogenhandel teilnehmen. Und das hat so nebenbei auch noch den Vorteil das man ihnen das „große Geschäft“ tatsächlich nicht vorwerfen kann. Ob sie das Koks jetzt selber verladen oder nicht, ist doch relativ egal. Sie verdienen dran und haben durch ihr Besteuerungssystem einige Vorteile, die ja auch genannt wurden.
Das andere beim Drogenhandel wesentlich besser verdienen und sich dabei eher selber bereichern als die FARC, die den Drogenhandel mit einer politischen Zielsetzung verknüpft, stell ich überhaupt nicht in frage. Aber die FARC beteiligen sich am Drogenhandel! Das einfach mal stehen lassen und dann kann man immer noch sagen das der „Plan Colombia“ nicht zur Drogenbekämpfung dient, sondern zur Guerrillabekämpfung und Interessenwahrung der kolumbianischen Oligarchie und potentieller Großinvestoren aus den USA oder sonst wo.

Die Frage ist meiner Meinung nach vor allem, in wie weit die FARC versuchen die kolumbianische Realität zu verändern und sich dem revolutionären Kampf widmen, oder in wie weit sie nicht bis zu einem gewissen Grad eine autonome Organisation sind, die vor allem durch die Besteuerung auf den Kokaanbau und Entführungen weitestgehend autonom handeln können. Ich behaupte dabei auf keinen Fall, dass sie dabei aufhören als Guerrilla zu existieren, sich dem revolutionären Kampf verschrieben hat. Aber auch wenn man einwenden darf, dass breite Öffentlichkeit von den Massenmedien, die in oligarchischem Besitz sind, geleitet werden, so darf man aber auch nicht verkennen, dass sich auch die FARC gegen die Zivilbevölkerung stellt, wenn sie nicht mitzieht. Und sie kann es sich vor allem leisten kann, relativ autonom gegenüber dem Willen der Bevölkerung in einigen Landesteilen zu agieren, denn sie ist nicht unbedingt auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Die Hoffnung auf den revolutionären Umsturz dürfte man doch wohl fürs erste aus der Wunschliste gestrichen haben. Eher ist die Situation in der Konflikt steckt verfahren wie nie. Also was ist die Konsequenz daraus? Abwarten und Tee trinken, denn mehr ist momentan nicht zu holen. Vielleicht ändert sich das ja mal. Mal abgesehen davon hat sich im dem Land nichts an der sozialen Lage oder an den Strukturen, die vor allem die Ärmsten der Bevölkerung unterdrücken, getan. Und auch die Reform 1991 hat da nicht viel gebracht (die Strukturen haben sich jedenfalls nicht groß geändert). Aber um nicht unterzugehen, passen die FARC sehr wohl auf, dass ihre Geldquelle nicht versiegt, gerade jetzt, wo sie militärisch verstärkt unter Druck gesetzt werden. Und diese Geldquelle ist, wie schon geschrieben, so um die 40% Drogengelder oder Besteuerung des Kokaanbaus wenn du so willst.
Grundsätzlich bin ich vollkommen einer Meinung mit der Feststellung, dass der Drogenhandel nur ein Deckmantel ist, um die Guerrilla zu bekämpfen, denn die Drogen allein sind mit Sicherheit nicht der Grund, warum die USA Millionen in Kolumbien investiert.
Die FARC ist aber auch keine „traditionelle“ Guerrillaorganisation wenn man das so sagen kann, sondern durch die 40 Jahre Krieg und durch den Drogenhandel haben sich deren Strukturen und auch deren Zielsetzung sicher verändert. Im letzten Jahrzehnt ist die FARC auf einmal unglaublich gewachsen. Und wie kommt das? In dem man seine Kämpfer bezahlt. Und womit werden die bezahlt? Ich bezweifle, dass das Geld aus den Entführungen ausreicht. Und aus diesem Grund kann man denke ich auch nicht nur von ein paar „Schweinen“ sprechen die sich in die FARC eingeschlichen haben. Drogenhandel ist ein teil des Guerrillakampfes für die FARC. Und sie werden ihre Interessen diesbezüglich auch schützen. Und ich denke kurzfristig könnten ökonomische Faktoren (Drogenhandel) auch ideologische überwiegen und die FARC sollte aufpassen sich nicht in die Ecke drängen zu lassen, reine Drogenbarone oder was auch immer zu sein, wie es ja auch versucht wird. So gesehen sehe ich die FARC gar in einer Zwickmühle. Zumindest so lange, wie die FARC vom Militär und Paras so stark unter Druck gesetzt wird. Aus Selbsterhaltungszwecken werden die FARC den Drogenhandel nicht aufgeben können... Die FARC durch eine rosa Brille zu betrachten und ihr handeln zu legitimieren ist mit Sicherheit ein Fehler.

Aber um noch mal eine ganz andere frage aufzuwerfen: ist der Kokaanbau oder der vertrieb denn verwerflich? Der Frage muss man sich doch stellen wenn man das Thema behandelt. Akzeptiert man den Handel und den Konsum, aber nicht (oder gerade doch) die Verwendung des Geldes? Sprich: bei den Paras kann das Argument als beweis für deren Niederträchtigkeit gelten, bei den FARC ist es ja nur Mittel und daher vollkommen legitim... ist doch schon ein wenig scheinheilig.


 http://www.conflictpics.co.uk/
 http://www.colombiajournal.org